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Interview mit Giovanni Belgrano über die First 36

Guten Tag, Giovanni, erzählen Sie uns doch ein bisschen was von sich...

Ich bin Italiener, wobei ich 1979 nach England gekommen bin, um zu studieren. 

Ich gehörte einem Team an, das die Firma SP Systems gegründet hatte, und wir haben ein auf Verbundwerkstoffe spezialisiertes Engineering-Zentrum errichtet. Ich habe also mein Leben lang Kompositstrukturen berechnet, gemeinsam mit Architekten, und während Projektierungsphasen zweckmäßige Lösungen gesucht.
Dabei war ich in unterschiedlichen Branchen tätig. Segelboote sind aber natürlich meine Leidenschaft.
Ich hatte das Glück, an zahlreichen spannenden Projekten mitzuwirken, ob bei Hochseeregatten, bei Prototypen küstennaher Boote, dem America‘s Cup, Superyachten, Rettungsbooten aber gelegentlich auch bei anderen, industriellen Kompositanwendungen. Diesen Aufgaben gehe ich heute innerhalb der Firma PURE Design & Engineering nach. Wir sind ein internationales und erfahrenes Ingenieursteam, mit Schwerpunkt Verbundwerkstoffe, und beschäftigen uns mit Spezialprojekten – wie der First 36.

Und das Segeln? 

Segeln ist für mich ein Hobby. In meiner Jugend habe ich an Regatten teilgenommen, aber meine Studien und die Arbeit haben Oberhand gewonnen. Trotzdem fahre ich seit 20 mit einem klassischen Boot, das hier in England liegt, Rennen und arbeite darauf. 

Erzählen Sie uns von Ihren Projekten. Welches hat Sie besonders begeistert?

Nun ja, ich habe an fünf oder sechs America`s Cups-Kampagnen teilgenommen und das war jedes mal fast so, als müsste ich wieder promovieren. Die Erfahrung ist sehr intensiv, man taucht völlig ein. Es ist eine Teamarbeit, bei der Sie Abends schon ungeduldig ins Bett gehen, um Morgens wieder Arbeiten zu können. Aber da sind auch noch andere Projekte, wie die Konstruktion des ersten Maxi Composite. Um ehrlich zu sein, ich mag fast alle Projekte. Ich liebe diese Boote einfach.

 

Sie haben von Verbundwerkstoffen und anderen neuen Technologien gesprochen, die sich weiterentwickelt haben. Können Sie uns etwas mehr darüber erzählen, wie das den Schiffbau verändert hat?

Ja gern. Das ist sehr interessant. Ich habe erst vor Kurzem mit der Segellegende Brian Thompson gesprochen, ein Multitalent im Bereich der Hochseeregatten. Wir waren uns einig: Wenn Sie mein Boot ansehen und es ist 82 Jahre alt, so hätten die Konstrukteur damals das gleiche vollbracht wie wir heute, wenn sie die gleichen Materialien und die gleiche Technologie besessen hätten wir wir.
Durch die Materialien, unser Verständnis und die Strukturkonfigurationen konnten wir bei Rennen in den letzten 20 Jahren einen wirklich großen Sprung machen. Dank bestimmter Erfindungen und der von uns eingesetzten Technologie ist es möglich, viel leichtere Bauteile herzustellen und manches zu erreichen, das die Menschen auch früher gerne gemacht hätten, aber nicht konnten.

Kann diese neue Technologie auch auf Serienschiffe übertragen werden und wenn ja, wie?

Das ist nicht einfach, aber wir werden immer häufiger angefragt. Wir arbeiten an drei oder vier Projekten wie dem der First 36, aber die Produktion muss gut sein, um wirklich umgesetzt werden zu können. Die Forschung treibt natürlich die Gemeinkosten in die Höhe und man muss sehr gut organisiert und effizient sein, damit es realisierbar wird. Wenn die Zusammenarbeit an der Werft gut und kompetent ist, wie beim Projekt 36, können wir so einen Projekttyp tatsächlich umsetzen.

Wie war es, im Team der First 36 zu arbeiten?

Also Seascape hat ehrlich eine hervorragende Koordinationsarbeit mit uns geleistet. Matic (Lenaršić) und die Leute der Werft sind die Mittelsmänner und sorgen dafür, dass die Kommunikation in beide Richtungen gut funktioniert. Sie bringen uns also zusammen. Wir haben schon zuvor mit Sam und Lorenzo gearbeitet, daher lief alles recht flüssig. Aber ohne das Engagement von Seascape wäre das alles nicht möglich gewesen.

Wie wird die Technologie, die Sie bei größeren Projekten erworben haben, auf ein Serienboot angewandt?

Die Werkzeuge und Kalkulationsarten für den America‘s First und die First 36 sind die gleichen. Es gibt offensichtlich weniger Wiederholungen und es wird anderes Konstruktionsmaterial verwendet. Wir suchen nach dem bestmöglichen Kompromiss und unsere Erfahrung und unsere Werkzeuge machen es möglich, die angestrebte Leistung auch zu erzielen.

 

Welche Vorteile bietet diese neue Technologie für die Freizeitschifffahrt? Warum ist Geschwindigkeit wichtig?

Fakt ist, je angenehmer ein Boot ist, umso mehr fahren Sie damit raus. Auf dem Meer nutzen Sie zumeist nur Segel, statt Motor oder Segel und Motor. Und wenn das Boot schneller ist, sind die Fahrten kurzweiliger und lustiger.

 

Inwiefern unterscheidet sich dieses Boot von anderen leistungsstarken Ausflugsyachten?

Wir sind bei dem Gewicht, das wir angestrebt hatten, was gemeinsam mit der Rumpfform ein Boot mit anständiger Leistung ergibt. Es gibt viele Boote, von denen behauptet wird, sie seien leistungsstark. Aber wenn sie mehr als eine Tonne wiegen, macht es keine Freude.
Die First waren schon immer recht leistungsstark in ihrer Kategorie. Und so hat sich in gewisser Weise nicht radikal etwas geändert. Die Entwicklung ist eher kontinuierlich und wir haben versucht, sie noch zu verbessern.

Welcher Bootstyp kann diesem Boot Ihrer Meinung nach das Wasser reichen?

Das ist eine interessante Frage, denn ich finde, es wird viel lebendiger und leichter als viele marktgängigen Boote, viel dynamischer. Ein Bindeglied zwischen einem Regattaboot und einer Ausflugsyacht. Die Leistung entspricht nicht der eines reinen Rennbootes, kommt dieser aber nahe. Und der Innenraum hat nichts eingebüßt. Es wird wirklich eine Freude sein, auf so einem Boot zu fahren.

Welche Merkmale der First 36 sind in Ihren Augen die wichtigsten?

Ich denke an die Rumpfform. Sie ist relativ neu für ein Boot dieses Typs und dieser Größe. Es wird ein sehr lebhaftes Boot – und sehr aufregend zu steuern.

Insofern, ja die Rumpfform. Und ich bin ehrlich gesagt recht stolz auf das, was wir erreicht haben. Es wird ziemlich leicht bleiben. Schön, leicht und steif, um einiges besser als viele andere Boote dieser Größe.

Können Sie uns das Boot in einem Satz beschreiben?

Also, es hat einen neuen Look, mit neuem Ansatz. Ok, ich weiß wirklich nicht, wie ich die First 36 beschreiben soll. Sie ist kein Sportboot, da sie nicht allein auf Regatten ausgelegt ist. Sie können damit ebenso gut Ausflüge machen. In einem Satz?

Ein leistungsstarkes Segelboot.